WELTREPORTER.NET
global correspondents
  
Blog
Reporterwelt

Zeit zum Spielen

Mittwoch, 9. Mai 2012 20:04 Uhr von Kerstin Zilm
Kategorie(n): Alltag, Film, Internet, Kultur, Reporteralltag, USA


Vor Kurzem fuhr ich in eine trostlose Gegend im Osten von Los Angeles, machte mich zwischen Schrottplätzen und Autowerkstätten auf die Suche nach einem neunjährigen Jungen, der derzeit Kinder, Eltern, Lehrer, Künstler und überhaupt alle inspiriert, die das Video über ihn angeschaut haben. Es zeigt Caine, der in den Sommerferien im Laden seines Vaters für gebrauchte Autoteile ausgeklügelte Spiele aus Pappe, Papier, Klebeband, Schnur und ein paar anderen Utensilien baut, die im Geschäft rumliegen. Er begann mit einem Basketballspiel gebaut aus Pappe und dem Netz, das Caine in seiner Lieblingspizzeria bekommen hat. Sein Lieblingsspiel ist die Greifmaschine aus einem Haken, einer Schnur und einem oben eingeritzten Pappkarton mit Sichtfenster aus Klebeband und bunten Preisen, nach denen Kunden angeln können. Doch: in der Gegend gibt es keine Fußgänger und der Vater macht seine Geschäfte inzwischen fast ausschließlich online. Deshalb hatte Caine lange keine Kunden – abgesehen von der Sekretärin oder mitfühlenden älteren Brüdern.

Bis zu dem Tag als Filmemacher Nirvan Mullick auf der Suche nach einem Türgriff für sein altes Auto den Laden betritt. Er sieht die Spielhalle aus Pappe, fängt an zu spielen, ist an seine Kindheit erinnert und beschließt einen Kurzfilm über Caine’s Arcade zu machen. Als Nirvan hört, dass Caine keine Kunden hat schafft er einen Event auf facebook – und Dutzende kommen um zu spielen. Es wird Caines glücklichster Tag in seinem neunjährigen Leben. Nirvan filmt alles und erzählt die Geschichte in einem liebevoll produzierten Film, den er ins Internet stellt.

Damit ändert sich das Leben aller Beteiligten – Caine bekommt eine facebookseite mit inzwischen über 112 tausend Fans, wird an Unis, zur NASA und zu Unternehmerkonferenzen eingeladen. Seine Eltern haben keine Zeit mehr mit Autoteilen zu handeln und jedes Wochenende wollen Hunderte Caine

s Spiele spielen. Es gibt inzwischen zwei Stiftungen in seinem Namen. Die eine sammelt Geld damit Caine studieren kann, die andere fördert Kinder mit erfinderischem Unternehmergeist.

Caine bleibt bei alledem auf dem Teppich. Mein Interview mit ihm wurde ziemlich kurz. Caine hat keine Geduld für viele Fragen, er will sich um seine Spiele und seine Kunden kümmern!

Wie wunderbar, dass er das alles gebaut hat ohne an Geld und Erfolg zu denken und  dass sich Filmemacher Nirvan Zeit zum Spielen genommen hat!

 

Kommentar schreiben

Kommentar

Autoren
Kategorien
Afghanistan    Afrika    Ägypten    Allgemein    Alltag    Arbeit    Asien    Äthiopien    Außenpolitik    Australien    Balkan    Blog Special    Bücher    China    Dänemark    Deutschland    Eigenlob    EM 2012    England    Erdbeben    Europa    Film    Fotografie    Frankreich    Frauen    Goethe    Griechenland    Holland    Indien    Indonesien    Internet    Irak    Iran    Islam    Island    Israel    Italien    Japan    Jugend    Katastrophe    Klima    Kriege    Kriminalität    Krisen    Kultur    Lateinamerika    Libanon    Literatur    Luxus    Marcus Bensmann    Medien    Medienkritik    Menschenrechte    Mexiko    Minderheiten    Mode    Monarchie    Musik    Neuseeland    Nordeuropa    Norwegen    ohne Worte    Olympia 2008    Polen    Politik    Pressefreiheit    Reise    REISEWARNUNG - Fahren Sie nie nach...    Religion    Reporteralltag    REPORTERWELT    Russland    Schweden    Schweiz    Serbien    Sex    Slowakei    Spanien    Sport    Sprache    Südafrika    Technik    Terrorismus    tolle Texte    Tschechien    Türkei    Umwelt    USA    Veranstaltung    Verkehr    weltreporter Werkstatt    WELTREPORTER.NET    Wirtschaft    wohnen    Zentralasien    Zukunft   
Archiv
RSS Feeds

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.