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Brennende Barrikaden

Samstag, 26. September 2009 17:17 Uhr von Britta Petersen
Kategorie(n): Reise, Reporteralltag, Terrorismus


Pakistan hat ja ein schlechtes Image. Terroristen, Taliban und so. Dabei steht der üble Leumund im seltsamen Kontrast zu dem was die meisten Leute denken, die das Land kennen. Weibliche Korrespondenten in Delhi schwärmen sehr zum Ärger der indischen Freunde regelmäßig von der Höflichkeit der pakistanischen Männer, männliche Besucher schätzen die gute Luft in Islamabad und die fleischreiche Küche. Selbst die Mullahs sind gar nicht so übel.

Aber seit gestern weiß ich wie es zu diesem Kontrast kommt. Ich will gar nicht den Medien die Schuld geben. Als ich mich von meinem Guesthouse in Islamabad auf den Weg zum “Jinnah Super Market” – einer Art offener Shopping Mall – machte, um mir eine neue Telefonkarte zu kaufen und etwas essen zu gehen, hörte ich auf einmal Geschrei. Als ich mich dem Ort des Geschehen näherte sah ich auch schon einen Haufen Männer, der Parolen skandierte und die vierspurige Straße mit Barrikaden blockiert hatte. “Sieht nach Ärger aus”, dachte ich und fürchtete bereits auf Telefonate und Abendessen verzichten zu müssen.

Doch dann fiel mein Blick auf einen Verkehrspolizisten, der seine Hauptaufgabe offenbar darin sah den herannahenden Autofahrern zu erklären, dass sie wieder umdrehen müssten. “Sie sehen ja”, so konnte man seine ausladende Handbewegung auf die brennenden Barrikaden deuten, “es geht hier nicht weiter”. Dass da Demonstranten gegen die Straßenverkehrsordnung verstießen und vermutlich auch gegen das Demonstrationsrecht und die Umweltschutzverordnung, indem sie unermüdlich neue Äste von den Bäumen rissen und diese anzündeten, schien ihn nicht weiter zu stören.

“Ist ja lässig dieser pakistanische Ordnungshüter”, dachte ich mir, “dann kann es ja wohl nicht so schlimm sein” und überquerte die Straße. Der Besitzer des Telefonkarten-Ladens versicherte mir, dass die Demo ganz harmlos sei. Der Manager des Bazaars sei aus unbekannten Gründen ins Gefängnis gekommen und die Ladenbesitzer solidarisierten sich mit einem Streik.

Streik? Nachdem ich eine Telefonkarte gekauft hatte ging ich in mein Lieblingsgeschäft, in dem ich mich immer mit gefakten DVDs eindecke. Ich kaufte zehn Stück für umgerechnet zehn Euro. Der Einkauf dauerte etwas länger, weil der Besitzer zwischendurch immer wieder das Licht abschaltete, damit man von außen nicht sehen konnte dass sein Laden voller Kunden war.

Merke: In Pakistan wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Aber darüber schreibt ja nie einer.

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