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Der große Kommunikator

Samstag, 16. März 2013 17:13 Uhr von Julius Müller-Meiningen
Kategorie(n): Allgemein, Arbeit, Europa, Italien, Lateinamerika, Medien, Medienkritik, Pressefreiheit, Religion, Reporteralltag, Sport


Als die Audienz schon fast vorbei ist, da streichelt Franziskus einen Hund. Ein sehbehinderter Mann durfte dem neuen Papst als einer der letzten Ausgewählten die Hand schütteln, sein Hund steht mit ihm auf der Bühne und dreht sich desinteressiert ins Publikum. Der Papst, der sich selbst in die Tradition des Heiligen Franz von Assisi gestellt hat, dem Freund der Armen und aller Kreaturen, der zu den Vögeln gesprochen und Wölfe umarmt hat, streichelt sein erstes Tier. Das ist eigentlich eine Randnotiz, aber eben nicht, wenn der Mann sich selbst Franziskus nennt.
Drei Tage nach seiner Wahl zum Pontifex trifft Franziskus Journalisten und Medienvertreter zur Audienz. 12 000 Menschen finden in der Aula Paul VI. Platz, und damit der riesige Saal nicht menschenleer wirkt, was einen nachteiligen Effekt auf die Außendarstellung des Vatikan hätte, dürfen die etwa 5000 akkreditierten Journalisten Freunde und Familie mitbringen. Der Effekt ist, dass man spätestens jetzt Teil der großen und teilweise großartigen Inszenierung ist, die die katholische Kirche in diesen Tagen hervorgebracht hat. Dass ein Part der Berichterstatter oder ihres Anhangs sich im Stile sehr friedlicher, vornehmer, aber ausgesprochen begeisterter Fußballfans verhält, ist insofern nur konsequent. „Bravo, bravo“ dringt es aus dem Corps, der zum eigenen Berufsethos eigentlich die Unabhängigkeit zählt. Nach der Ansprache des Papstes sind sogar Sprechchöre zu hören: „Francesco, Francesco, Francesco!“ In den vorderen Reihen werden Brasilien-Fahnen geschwenkt, was nicht etwa als Provokation des Papstes aus Argentinien zu verstehen ist, sondern als Ausdruck, dass bei diesem Match ganz eigene Spielregeln gelten.
Bereits am dritten Tag seines Pontifikats trägt dieser Papst vor der zuletzt für den Vatikan so unangenehmen Presse ein Heimspiel aus. Dazu trägt bei, dass der Saal zu weiten Teilen von Vertretern katholischer Medien gefüllt ist. Doch gläubige Vatikanberichterstatter sind fünf Wochen nach dem Rücktritt Benedikts genauso müde wie ihre agnostischen Kollegen. Franziskus kann deshalb den Ton nicht besser treffen, wenn er nach wenigen Sätzen vom Manuskript abweicht und sagt: „Ihr habt viel gearbeitet, stimmts? Habt ihr gearbeitet!“ Da steht es Einszunull und wer sich jetzt immer noch an jüngere Kirchen-Skandale wie Pädophilie, Vatileaks oder die Vorwürfe von zu großer Nähe Bergoglios zur argentinischen Militärdiktatur erinnert, der sollte seinen investigativen Instinkt für die nächsten 20 Minuten lieber begraben. Franziskus lädt dazu ein, „die wahre Natur der Kirche und ihres Wegs in der Welt, mit ihren Tugenden und Sünden“ zu suchen und nimmt so auch den letzten Aufrechten den Wind aus den Segeln.

Dann spricht sich der Papst endgültig in die Herzen der Journaille. Er gibt, was diese Zunft am Liebsten hat, eine Anekdote zum Besten. Noch dazu aus der Verschwiegenheit des Konklave. Als die Sache für ihn gefährlich wurde, so spricht Franziskus, habe ihn sein Freund, der Brasilianische Kardinal Claudio Hummes bestärkt. Als er die 2/3-Mehrheit der Stimmen erreichte, habe Hummes ihn umarmt, geküsst und gesagt: „Vergiss nicht die Armen!“ So sei ihm in Erinnerung an Franz von Assisi die Idee seines Namens gekommen. „Für mich ist er der Mann der Armut, des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewacht.“

Franziskus seufzt förmlich, wenn er am Ende sagt: „Wie sehr wünsche ich mir eine Kirche der Armen und für die Armen!“ Das sitzt. Aber was wird das wohl für die umstrittene und mächtige Vatikanbank für Folgen haben oder für die Dutzenden armen Teufel, die unweit des prächtigen Petersplatzes auf Pappkartons nächtigen?
Beim Händeschütteln am Ende reicht ihm eine Kollegin einen Becher mit Mate-Tee, dem argentinischen Traditionsgetränk. Bilder sind wichtig, Worte und Gesten sind es auch. Aber am Ende und vor allem bei einem großen Kommunikator auf dem Stuhl Petri, werden die Taten zählen. Auf die wartet man nun noch gespannter als zuvor.

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