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EINE KATZE IST EINE KATZE IST EINE KATZE IST EINE KATZE

Sonntag, 1. November 2009 00:36 Uhr von Danja Antonovic
Kategorie(n): Alltag, Balkan, Deutschland, Reise, Serbien


Nicht aber, wenn sie auf Reisen geht. Plötzlich schlagen die vereinigten Bürokraten aller Länder zu, sie existiert in Akten und Computern nur noch als „Haustier, hier Katze“. Falls sie die Mauern der Europäischen Union übersprungen hat, unterliegt sie ab sofort den „Einreisebestimmungen für Hunde und Katzen“. Falls sie aus der EU ins andere Ausland will, wird sie dort womöglich als  „Ausländerin“ behandelt.

 

Trotzdem entscheide ich: Puderquaste und Maseltov sollen Hamburg verlassen und mit mir in Belgrad leben. Der Katzenumzug steht an.

 

 

Recherche in Belgrad: eineTollwut-Impfung, ein Katzenpass, eine ärztliche Beurteilung vor der Reise – da ist alles was eine Katze braucht, wenn sie nach Belgrad kommen will. 

 

Der Veterinär in Hamburg kooperiert: „Impfen können wir“, sagt er, „prüfen Sie aber, wer die Gesundheitsbescheinigung unterschreibt, der Amtsarzt oder wir.“ Es ist der Amtsarzt.

Die Impfung wird kaum bemerkt, die Spritze sitzt. Nun sollen Beruhigungspillen zur Probe geschluckt werden, um zu sehen wie sie wirken. Sie helfen der gestressten Katzenseele die Reise gut zu überstehen. Leichter gesagt als getan: die Pillen werden verschmäht. Also, Goulaschfleisch gekauft, Pillen darin versteckt, meine süßeste Stimme hallt durch die Wohnung. Puderquaste, die Bunte, schluckt alles. Zehn Minuten später spuckt sie alles heraus. Maseltov, die Schwarze, riecht die Falle, rührt nichts an. Die Verlockung und die Operation Pille – fehlgeschlagen.

Der nächste Versuch ist eine Beruhigungsspritze. Die Nachbarn helfen, wir überrumpeln die scheuen Tiere, die Spritze sitzt schon wieder, aber niemand aus der Katzenwelt ist in dieser Wohnung benommen. Dafür haben sie gut gekratzt. Was tun? „Doppelte Dosis“,  rät der Tierarzt.

In der Zwischenzeit telefoniere ich mit dem Amtsarzt: „Es sind zwei Katzen, die sollen nach Belgrad…“ „Wenn Sie nach Rumänien wollen….“  „Nein, ich will nicht nach Rumänien, ich will nach Serbien“. „Ja, liegt Belgrad nicht in Rumänien?“ „Nein, Belgrad liegt in Serbien, Bukarest ist die Hauptstadt von Rumänien.“ „Von mir aus,  sie müssen trotzdem den blauen Heimtierpass haben und sie müssen gechipt werden“.

Nein, Herr Amtsarzt, sie müssen gar nichts. Denn, in Belgrad herrscht Balkan, und dort kennt jeder jeden und der Freund eines Freundes kennt einen Freund und der ist zufällig Amtsarzt am Flughafen. Also, die Viecher werden nicht gechipt. Dem deutschen Amtsarzt ist es am Ende egal, er kommt vorbei, beguckt kurz die in der Badewanne versteckten Damen, schreibt vier andersfarbige Formulare aus, stempelt sie ab, nimmt 10 Euro und geht.

 Puderquaste und Maseltov bekommen eine fette Ladung Beruhigungsspritzen und kurz vor dem Abflug ist alles ruhig. Zwei lallende Katzen, selig umschlungen, liegen im engen Käfig.

Die Hiobsbotschaft aus Belgrad kommt eine Stunde vor dem Abflug: „Versuch schnell durch den Zoll zu kommen“, sagt Milena, „denn normalerweise bekommen die Katzen eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis, die man am Flughafen ausstellt. Die musst du dann bei der Ausländerpolizei verlängern. Vielleicht schaffst du es ohne.“ Na, ob da der Freund eines Freundes helfen kann?

Aber auch der Hamburger Zollbeamte will was. Der Käfig soll „geröntgt“ werden, die Katzen sollen vorher raus, wegen der Verstrahlung. Das aber geht nicht. Einmal draußen, da finde ich sie nie wieder, trotz Valiumspritze. Gut, sagt er, und so wird der Käfig samt Katzen mit sämtlichen Geräten gründlich durchleuchtet.

Keine Drogen, keine Waffen, nur zwei Angstkatzen gucken den großen Mann an.

 

 

Zwei Stunden später landen wir in Belgrad. Die Süßen haben am Sitz neben mir den ersten Flug ihres Lebens verschlafen. Mein Pashmina-Schal verdeckt den Käfig, die Passkontrolle will meine gelben Katzenpässe gar nicht sehen, von Zollbeamten keine Spur. Ich und die Katzen sind fast draußen, da zeigt sich ein junges Mädchen, mit Zollmützchen auf dem Kopf und sagt „Sind die aber süüüüsss“.

Ich atme tief durch, die Katzenodyssee ist zu Ende. Sie sind nicht gechipt worden, sie haben die Spritze und die Pille gut vertragen, sie leben. Maseltov und Puderquaste  sind nicht zu Ausländerinnen deklariert worden, müssen nicht zur Ausländerpolizei. Jetzt dürfen sie mit mir bei sommerlichen 40 Grad in Belgrad schwitzen und im Winter, gut gerollt auf der Kommode vom hohen Norden träumen.

PS.Oder bei YOUTUBE gucken, was andere Katzen so machen.

http://www.youtube.com/simonscat?gl=DE&hl=de#p/u/3/s13dLaTIHSg

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