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Taifun Haiyan – war da was?

Sonntag, 24. November 2013 11:30 Uhr von Hilja Müller
Kategorie(n): Arbeit, Asien, Katastrophe, Krisen, Medien


Als  Taifun Haiyan vor zwei Wochen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300km/h auf die Philippinen zuraste, war ich für Recherchen in Japan. Weit weg vom Geschehen und von meinem Arbeitsplatz in Peking. Fast zehn Jahre habe ich auf den Philippinen gelebt und über das Land berichtet. Abnehmer für Geschichten zu finden war oft schwierig. Die Philippinen sind kein Touristenziel für Deutsche wie Thailand, sie haben wirtschaftlich nicht das Potenzial wie Japan oder China  und überhaupt, da gibt’s doch dauernd Ärger. Kriminalität, islamistische Terroristen, Naturkatastrophen. Genau, Naturkatastrophen. So wie jetzt Haiyan, der auf einigen Inseln der Visayas-Gruppe alles umsäbelte, was sich ihm in den Weg stellte. Den Rest erledigte die Sturmflut.

Und nach dem Sturm und der Flut kamen sie in Scharen, die Fallschirm-Journalisten. Rasch eingeflogen aus New York, Singapur oder London. Auf dem Weg zum Unglücksort noch schnell einige Länderinformationen studieren und dann geht’s los mit der Berichterstattung, als hätte man schon immer auf einer philippinischen Insel gelebt. So wie im März 2011 in Japan, als der CNN-Korrespondent Anderson Cooper nach dem großen Erdbeben gemeinsam mit meinem Mann in der ersten Maschine aus New York saß, die den vorübergehen gesperrten Flughafen in Tokio anfliegen konnte. Kaum gelandet, erzählte er Millionen Zuschauern, wie katastrophal die Situation in Japan war und wie eigenartig ruhig die Japaner damit umgingen.

Die Großen der Branche können es sich leisten, jeweils einen ganzen Tross aus Journalisten, Fotografen, Kameraleuten und Technikern zu den Brennpunkten der Erde zu schicken. Über Nacht war Tacloban, die Hauptstadt der Insel Leyte, ein solcher Brennpunkt geworden. Cooper & Co. machten sich hastig auf ins Epizentrum der Zerstörung. Eine Woche lang gehörten die Schlagzeilen den philippinischen Taifunopfern und ihrem verzweifelten Warten auf Hilfslieferungen. Auch bei mir fragten Zeitungen und Sender an, ob ich nicht rasch nach Tacloban fliegen könnte.

Nein, ich konnte nicht, mit zwei Kindern ist man nicht super-flexibel. Aber ich wollte auch nicht. Ich sah‘ keinen Sinn darin, mich diesem Medienhype anzuschließen.  Auf allen Kanälen, in sämtlichen Zeitungen wurde berichtet, was die Leitungen hergaben. Welchen wichtigen Beitrag kann man in einer solchen Situation noch beisteuern? Muss man wichtige Ressourcen (Lebensmittel, Wasser, Helikopter, Ansprechpartner vor Ort) verbrauchen, nur um eine Geschichte zu schreiben, die so wie alle anderen das Grauen der Zerstörung und das Elend der Überlebenden ausleuchtet?

Ich will lieber nachschauen, wie es in Tacloban ausschaut, wenn der Medientross weitergezogen ist. Wenn die Welt nicht mehr auf die zertrümmerten Orte schaut, weil niemand mehr von dort berichtet. Es ist keine Überraschung, dass diese Idee auf wenig Resonanz bei den Redaktionen stößt. Ein netter Kollege vom Nachrichtensender N24 sagte ganz offen: „Die Leute wollen das doch nicht mehr sehen.“

So ist das. Eine Woche hieß es „Spot on“. Nun liegen die Taifungebiete wieder im tiefen Dunkel (buchstäblich, denn Strom soll es erst um Weihnachten wieder geben). Wie es dort weitergeht, ob die von der Regierung versprochenen neuen Behausungen gebaut werden, was mit den vielen Millionen Spenden passiert, wie die Menschen ihr Leben wieder in den Griff bekommen – wer will das wissen? Die Fallschirm-Journalisten jedenfalls nicht. Sie sitzen bereits wieder im Flieger zum nächsten Krisengebiet und lesen sich rasch an, worüber sie eigentlich berichten sollen.

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Kommentar

Ein guter Text. Leider natürlich wenig überraschend oder schockierend. Ã

Hallo, Frau Müller,

wollen sie den Fallschirmjournalisten ernsthaft vorwerfen, dass die nach einer Woche wieder weg sind? Warum werfen sie nicht besser ihren Lesern vor, dass die kein Interesse haben an mehr als einer Woche Katastrophe? Und warum werfen sie nicht den Verlagen vor, dass die die Redaktionsbudgets so massiv austrocknen, dass keine deutsche Zeitung in der Lage ist, einen Reporter wochenlang abzustellen.
Die Anteilnahme der Medien über einen kurzen Zeitraum ist sicher nicht optimal. Aber Tatsache ist, dass die kurzzeitige Aufmerksamkeit den Menschen mehr geholfen hat, als wenn man den Taifun kollektiv ignoriert hätte. Es wurden eine Menge Spendengelder eingesammelt, die sonst nicht zusammen gekommen wären.
Dass sie wegen ihrer Kinder nicht kurzfristig anreisen, ist ein schlagfestes Argument. Kein Einwand. Ich habe selber Kinder. Aber dass sie "gar nicht gewollt" hätten als Expertin, die sie sind, verstehe ich nicht. Bei all der oberflächlichen Berichterstattung der Fallschirmjäger wäre doch jeder erfahrene Korrespondent ein Gewinn gewesen, um tiefer heranzukommen an die Menschen und die Bedingungen. Stattdessen klingen sie beleidigt, wenn sie klagen, dass Leute anreisen, die sich ihr Wissen erst anlesen müssen. Die kommen schlieÃ

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