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\”Nehmt ihn fest und erschiesst ihn!\” – wenig Sympathie für Roman Polanski in den USA

Montag, 8. Februar 2010 01:51 Uhr von Kerstin Zilm
Kategorie(n): Deutschland, Film, Frauen, Kultur, Medien, USA


 

Auf der Berlinale wird Roman Polanskis neuster Film ‘The Ghost’ am Dienstag Weltpremiere feiern. Hollywoodstars und Filmschaffende aus aller Welt haben sich für die Freisprechung des Regisseurs ausgesprochen und dafür, die Diskussion um eine Tat, die 32 Jahre zurück liegt, zu beenden.

In den USA geht die Stimmung im \’Fall Polanski\’ in die entgegengesetzte Richtung. Besonders seit Ausschnitte aus den Gerichtsprotokollen von 1978 veröffentlicht wurden. 

Die Los Angeles Times beispielsweise berichtete basierend auf den Protokollen detailliert über die Begegnung des 43 jährigen Regisseurs mit dem 13 jährigen Mädchen im Whirlpool von Jack Nicholson. Davon, wie Polanski ihr Drogen gab, wie das Mädchen mehrfach ‘nein’ sagte zu Aufforderungen, sich auszuziehen, ‘nein’ sagte zu verschiedensten Formen von Sex und der Regisseur doch bekam, was er sich wünschte.

Diese Informationen brachten nicht nur den links-gerichteten Talkshow Moderator Bill Maher in Rage. Maher erklärte in seiner Show, er verstehe nicht, wie Filmschaffende, die er für ihre Arbeit bewundere, Polanksi mit dem Hinweis verteidigen können, die Tat sei vor 32 Jahre geschehen. Er verstehe dagegen, warum ein Muslim, der hört, dass Hollywood den Regisseur verteidigt, die USA in die Luft sprengen wolle. Selbst die üblicherweise besonnen argumentierende politische Kommentatorin Cokie Roberts verlor beim Thema Polanski die Contenance und sagte in einem ABC-Interview: ‘Roman Polanski ist ein Verbrecher. Er hat ein Kind vergewaltigt und ihm Drogen gegeben, dann ist er geflüchtet bevor er verurteilt wurde. Wenn es nach mir ginge, würde er gefasst und erschossen!’

Seit Ende der 70er Jahre hat sich die Einstellung der US-Gesellschaft zu Sex mit Minderjährigen deutlich verändert. Haftstrafen für Sexualstraftaten sind heute im Durchschnitt mindestens viermal so lang wie 1978, als Polanski vor der gerichtlichen Verfolgung ins Ausland floh. Es wäre heute höchst unwahrscheinlich, dass in einem ähnlichen Fall die Staatsanwaltschaft alle Klagepunkte wegen gewalttätiger Handlungen fallen ließe. Auch wenn es nicht schaden kann, dass reiche und mächtige Peronen aus der Filmwelt sich für den Regisseur einsetzen, stärkt dieser Einsatz in manchen Teilen der Bevölkerung die Überzeugung, dass Hollywoodstars in einer Welt weit entfernt von Realität und Werten der Durchschnittsbürger leben.  

Wenn Polanski zurück in die USA kommen muß, erwartet ihn neben der scharfen Kritik ein stark veränderter Medienmarkt. Paparazzi werden ihm am Flughafen, vor Gericht, Hotels und Restaurants auflauern und ihn gnadenlos verfolgen. Kabelfernsehen, Blogger und Komiker das Thema rund um die Uhr kommentieren. Er wäre vermutlich besser beraten gewesen, sich vor 32 Jahren dem Gericht und der Öffentlichkeit in den USA zu stellen.         

 

 

 

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