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Knatsch, Kommerz und Königskinder

Sonntag, 25. April 2010 21:13 Uhr von Alexander Budde
Kategorie(n): Medien, Medienkritik, Monarchie, Schweden, Sex


Wenige Wochen vor der Traumhochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria mit ihrem Fitnesstrainer Daniel Westling am 19. Juni wird das Königshaus von bösen Schlagzeilen erschüttert: Prinzessin Madeleine hat ihre Verlobung mit dem Anwalt Jonas Bergström aufgelöst. Die beiden hätten sich nach reiflicher Überlegung entschieden, künftig getrennte Wege zu gehen, teilte das Königshaus in dürren Worten auf seiner Webseite mit. Und sprach zugleich einen Tadel für die Medienzunft aus: Die „extreme Berichterstattung“ der letzten Tage sei alles andere als hilfreich gewesen.

Gerüchte von Untreue wucherten in den schwedischen Redaktionen seit geraumer Weile. Doch erst als im norwegischen Boulevardblatt Se og Hør eine junge Norwegerin ihre angebliche Affäre mit dem schneidigen Anwalt hinausposaunte, war auch in Schweden kein Halten mehr. Erst spekulierte das royale Sturmgeschütz Svensk Damtidning, ohnehin im Kreuzfeuer, weil man erst die geschützte Personalnummer der Kronprinzessin preisgab und dann auch noch die Königin an Alzheimer erkranken ließ. Später stiegen auch vergleichbar seriöse Blätter wie Expressen oder Aftonbladet in die „Madde-Afäre“ ein.

Der Medienanalytiker Olle Lidbom wundert sich im Medienmagazin Medierna  über die ungewöhnlich grellen Schlagzeilen. Denn anders als etwa in Dänemark und Norwegen, wo viel Persönliches berichtet wird, hielten schwedische Blätter bislang vergleichbar höfliche Distanz zu den Bernadottes. „Für die Abendzeitungen war es ein bedeutsamer Schritt, mit so harten Bandagen gegen den Hof vorzugehen. Man warf einmal im Jahr pflichtschuldig die Frage auf, wohin die Apanage floss. Aber im Übrigen war man stets sehr untertänig. Dies hier ist ein echter Paradigmenwechsel.“

Auch Jan Helin griff zu. Mit Widerwillen, wie der Chefredakteur von Aftonbladet treuherzig versichert. Dafür aber seitenlang und in Farbe: „Unsere Berichte haben mir keine Freude bereitet. Aber die Geschichte hat eine Relevanz, schließlich geht es um die Thronfolge. Allerdings wurden hier auch Persönlichkeitsrechte berührt. Und da hat man die Grenze ganz klar verschoben. Schwer vorstellbar, dass es bei künftigen Geschichten aus der Königsfamilie mehr Zurückhaltung gibt.’

Nun ist die Prinzessin nach New York entfleucht, um Abstand zu gewinnen. Die Preise auf dem Bildmarkt steigen, die Papparazzi lauern.  Und vor dem wuchtigen Schloss im Herzen Stockholms trauert Sten Hedman den guten alten Zeiten nach. Den erfahrenen Hofreporter kann in diesem Leben kaum noch etwas aus der Ruhe bringen: „Man wartet, bis die Norweger vorlegen. Dann hat man ein Alibi, um die Geschichte abzubrennen. Früher war das anders. Wir Älteren erinnern uns an die Liebesgeschichte von Prinz Bertil und seiner Liljan. Das wussten alle. Und haben doch still gehalten.  Aus Loyalität zum Prinzen. Aber heute geht es doch in erster Linie ums Geschäft.“

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