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Besser als gedacht – mit dem Fahrrad in Los Angeles

Montag, 9. Mai 2011 18:38 Uhr von Kerstin Zilm
Kategorie(n): Alltag, Sport, Umwelt, USA


 

Die gepunkteten Satteltaschen aus Berlin sind der Hit in Los Angeles – ob ich sie vor dem Supermarkt mit Lebensmitteln und Klopapier fülle, am Strand Handtuch und Proviant raushole oder einfach nur durch mein Viertel fahre – Kommentare sind mir sicher. Meistens gehen sie in die Richtung:’These are soooooo coool’. ‘Wow, where did you get THOSE?’ und wenn ich dann sage, dass sie aus Berlin sind kommt oft der Hinweis, ich solle sie importieren und ein BIG BUSINESS draus machen!

 

Ein Problem bei der Idee ist, dass die wenigsten Fahrräder hier Gepäckträger haben. Das größere Hindernis dürfte sein, dass Los Angeles milde formuliert nicht wirklich Fahrradfahrer-freundlich ist mit seinen ineinanderverschobenen Freewaylabyrinthen und der am Auto orientierten Architektur und Infrastruktur.

Ich hab allerdings inzwischen festgestellt, dass ich erstaunlich viel mit dem Rad erledigen kann. Einkäufe mache ich weder in Beverly Hills noch in Compton, die Hitze hält mich meist davon ab, mich in Richtung Wolkenkratzer nach Downtown zu bewegen und Hollywood überlasse ich gerne Touristen, Paparazzi und Star-Imitatoren. Also nutze ich inzwischen aus, was ich anfangs etwas öde fand: wo ich wohne besteht Los Angeles im Grunde aus einer Aneinanderreihung von Vororten – Culver City, Santa Monica, Marina del Rey und da kann man auf Seitenstraßen hervorragend dem Verkehr ausweichen. Es gibt sogar Fahrradwege! Zum Beispiel den Ballona Creek Bike Path  am Kanal entlang zum Meer, kein Auto nirgendwo! Und im Frühling jede Menge wunderbare Wildblumen am Wegesrand!

Und dann natürlich den kurvigen Fahrradweg am Meer entlang, Mehr als 35 Kilometer, vorbei am Santa Monica Pier, an Muscle Beach, wo Arnie sich die Muskeln zum Mister Universe Titel antrainiert hat, vorbei an Schlagzeug-Zirkeln, an einem Skateboardpark … 

Die Devise ist: Cruisen, nicht rasen. Weil es viel zu sehen gibt, aber auch weil immer wieder Touristen plötzlich auf den Weg latschen, die irgendwie vergessen haben, dass man auch im Urlaub erst nach rechts und links schauen sollte bevor man einen Fahrradweg betritt. Und dann sind da auch noch sehr entspannte Patienten frisch vom Besuch beim Marihuana-Doktor für die natürlich Vorfahrtschilder für Fahrradfahrer Ausdruck einer sehr beschränkten Weltsicht sind, an die sich Wesen mit ausgedehntem Bewusstsein nicht halten können.

Wem nach all der entspannten Idylle am Strand das urbane Gefühl fehlt, sollte weiter Richtung Süden radeln: dort sorgen eine Kläranlage am Wegesrand und die Fahrt unter der Einflugschneise des Internationalen Flughafens dafür, dass man nicht vergisst, wo man ist. Wer das nicht unbedingt sehen will, kann direkt an der Marina umdrehen und im Biergarten einkehren. Im Waterfront Cafe gibt es sogar ein Radler.  

 

 

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