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Wenn Straßennamen Geschichten erzählen

Montag, 30. Mai 2011 17:48 Uhr von Christine Mattauch
Kategorie(n): Alltag, Religion, USA, Verkehr


Wenn ich aus dem Norden Manhattans komme und auf die Brooklyn Bridge einbiege, fällt mir jedes Mal eine kleine Gedenktafel ins Auge: „Ari Halberstam Memorial Ramp“. Seit Jahren frage ich mich, wie es kommt, dass ein zirka 30 Meter langer, schlaglochgespickter Zubringer überhaupt nach jemandem benannt wird und wer Ari Halberstam war, dass ihm das passieren musste.

Amerikaner haben ein emotionales Verhältnis zu Straßen und Brücken – vermutlich ein Erbe der Pionierzeit, als es eine Leistung an sich war, sich einen Weg zu bahnen. Einen entsprechend hohen Stellenwert haben ihre Namen. Es ist eine hohe Auszeichnung für jeden Amerikaner, wenn irgendwo ein Straßenabschnitt nach ihm oder nach ihr benannt wird. Anders als in Deutschland ist das auch erlaubt, wenn der Ehrenbürger noch lebt. In New York wird mit großem Eifer von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

Nicht immer verläuft dies konfliktfrei, vor allem dann nicht, wenn Traditionsnamen zu Gunsten einer Berühmtheit geopfert werden, wie bei der Triboro Bridge. Dieses Konglomerat aus drei Brücken, die Manhattan, Queens und die Bronx verbinden, wurde 2008 in Robert-F.-Kennedy Bridge umbenannt, nach dem Bruder des Präsidenten John F. Kennedy, der 1968 ermordet wurde. Da RFK als Senator den Staat New York vertreten hatte, soll die Brückenwidmung zum 40. Todestag ein ausdrücklicher Wunsch der Kennedy-Familie gewesen sein. Doch bis heute weisen noch immer viele Straßenschilder in Richtung „Triboro“, und der Mann auf der Straße kann eine RFK-Bridge so wenig lokalisieren, dass die Brücke im Verkehrsfunk umständlich als „RFK-Triboro-Bridge“ bezeichnet wird. Dass seit ein paar Monaten auch die Queensboro Bridge offiziell nach einem Prominenten heißt, nämlich dem 86jährigen früheren New Yorker Bürgermeister Edward „Ed“ Koch, ist ins kollektive Gedächtnis überhaupt noch nicht vorgedrungen.

Wer nicht so eine gute Lobby hat wie Kennedy und Koch, muss sich auf ruppige Sitten einstellen. Das erfuhr in diesem Frühjahr Emelia Kazimiroff, eine 95jährige Witwe aus der Bronx. 1981 war zu Ehren ihres Gatten ein Abschnitt des Southern Boulevard in „Dr. Theodore Kazimiroff Boulevard“ umgetauft worden. Immerhin handelte es sich bei Dr. Kazimiroff um einen Amateurhistoriker und mutigen Zahnarzt, der einen Löwen im Bronx Zoo von einem vereiterten Zahn befreit haben soll, ohne zu Schaden zu kommen. Mit seiner Straße hatte der Lokalpromi weniger Glück. Die für ihre Sturheit bekannte US Post soll sich jahrelang geweigert haben, die schwierige Adresse zu akzeptieren. Zur Verwirrung ortsunkundiger Besucher gibt es zudem, etwas außerhalb, einen Kazimiroff Boulevard, an dem sich der Botanische Garten befindet. Kurz und gut – nach 30 Jahren entschied die Stadt New York, Dr. Kazimiroff seinen Straßennamen zu entziehen und den Abschnitt wieder in Southern Boulevard rückzubenennen. Sie hatte nicht mit der streitbaren Witwe gerechnet, die das Votum als „Schlag ins Gesicht“ empfand und umgehend die New York Times verständigte. Dem Weltblatt war der Vorgang einen vierspaltigen Aufmacher im Lokalteil wert, samt Fotos des Verblichenen und seiner Witwe. Das scheint gewirkt zu haben – jedenfalls ist die Straße bei Google Maps heute immer noch zu finden.

So erzählen Straßenschilder lustige Geschichten – und tragische. Für diesen Blog habe ich endlich nachgeschaut, welche Bewandnis es mit Ari Halberstam und seinem Zubringer hat. Halberstam war ein 16jähriger Talmud-Schüler aus Brooklyn, dessen Familie mit dem charismatischen und umstrittenen Rabbi von Lubawitsch, Menachem Mendel Schneerson, befreundet war. Am 1. März 1994 besuchte der Teenager den kranken Rabbi in einem Manhattaner Krankenhaus und wollte danach zurück nach Brooklyn. Beim Einbiegen auf die Brooklyn Bridge eröffnete ein arabischer Extremist das Feuer auf den Wagen, in dem neben Halberstam weitere junge Männer saßen. Halberstam wurde in den Kopf getroffen und starb fünf Tage später. Seine Familie kämpfte jahrelang darum, dass der Anschlag als Akt des Terrorismus anerkannt wurde, was ihr schließlich gelang. Künftig werde ich mich, wenn ich an dem Schild vorbeifahre, ein bisschen dafür schämen, dass ich seinen Zubringer so lange nur für eine Kuriosität gehalten habe. 

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